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Kategorie: Selbstbestimmtheit

KI: Licht und Schatten

Wie habt ihr die Einführung des ersten plaudernden „ g enerative p retrained t ransformer“ (ChatGpt) im November 2022 erlebt?

Wart ihr auch unter denjenigen, die sofort begeistert waren, der AI tausende Fragen gestellt und klassische Suchmaschinen kaum noch genutzt haben?

Natürlich waren die Antworten zu Beginn noch nicht ganz zufriedenstellend, da keine Referenzangaben gemacht wurden und eine aufwendige Überprüfung nötig war. Doch das wurde rasch verbessert und vieles an Recherchearbeit konnte eingespart werden.

Die verfügbaren Schnittstellen eigneten sich hervorragend, um mit wenig Programmieraufwand per Sprache Sensoren im Smart Home zu steuern und Abläufe wie Temperatur (Energie), Licht, Belüftung oder Sicherheit effizienter zu gestalten.

Schrittweise hat sich KI im Hintergrund in alltägliche Apps eingeschlichen, sodass wir sie oft nutzen, ohne es zu bemerken – etwa bei Fotoverbesserungen, Spam-Filtern, Übersetzungen oder Support-Chatbots.

Im Berufsalltag hat KI die manuelle Programmierung von Software fast vollständig ersetzt. Die Vorteile von Textgenerierung, Zusammenfassungen, Recherchen, E-Mail-Automatisierung oder automatisierten Meeting-Protokollen sind heute unverzichtbar.

Entscheider verlassen sich zunehmend auf KI-basierte Prognosen, Mustererkennung, Finanzanalysen und Risikoabschätzungen.

Die Industrie profitiert beispielsweise von KI-gestützter vorausschauender Wartung, Qualitätskontrolle und Robotik.

Kreative nutzen KI für Routine- und Explorationsaufgaben wie Bild- und Videogenerierung, Musik- und Textproduktion.

Seit einiger Zeit sind sogenannte Agenten verfügbar, mit denen sich nahezu jeder Workflow in fast jedem Berufsfeld automatisieren und viele lästige Aufgaben im Alltag effizient delegieren lassen.

Doch gibt es bei KI Licht und Schatten!

Erinnern

In den letzten Jahrhunderten haben wir immer wieder Innovationswellen durchlaufen, wie Mechanisierung, Elektrifizierung, Digitalisierung, Automatisierung, Biotechnologie, Internet und jetzt gerade die KI und ja, die Zyklen werden immer kürzer. Bis jetzt sind immer mehr Jobs geschaffen worden als vernichtet. Jedoch wurden die vorausgesetzten Fähigkeiten, die kognitiven Anforderungen auch jedes Mal anspruchsvoller.

Das Verhaltensmuster von Menschen ist dabei immer das gleiche. Offene Menschen sehen die Chancen und nutzen die Technologie sofort (open-minded, early adopter ), um sich mehr Freiraum für sich selbst, für Kreativität, für spannendes Neues zu schaffen. Gedanklich unflexible Menschen (fixed-minded, late adopter ) werden verunsichert, beschwören die Gefahren der Technologie. Sie müssen sich langwierig und schwerfällig anpassen oder werden abgehängt.

Licht

KI entlastet uns zunehmend von monotonen und wiederkehrenden Aufgaben, was nicht nur unsere mentale Kapazität schont, sondern uns auch mehr Freiraum zum Nachdenken verschafft. Je intensiver wir uns mit Zusammenhängen auseinandersetzen, desto klarer werden unsere Gedanken. Dadurch entwickeln sich Denkstrukturen, die letztlich zu besseren Ergebnissen führen.

Klares Denken zu erlernen ist tatsächlich einfacher, als viele glauben – entscheidend ist jedoch, sich regelmäßig, am besten mehrmals täglich, bewusst Zeit dafür zu nehmen und sich selbst zur Disziplin zu motivieren.

Da KI uns unterstützt, relevante Informationen schnell und gezielt zu erfassen, werden unsere Denkprozesse geschärft. Dies wirkt sich positiv auf die Qualität unserer privaten wie beruflichen Entscheidungen aus und trägt zu einer insgesamt positiven Entwicklung unseres Lebens bei.

Es gibt bei KI Licht und Schatten, das war das Licht!

Zukunft

Stellen wir uns vor, wie unser Alltag in 10 oder 20 Jahren aussieht, wenn KI vollständig integriert und laufend weiterentwickelt ist – so selbstverständlich, dass niemand mehr darüber spricht.

Zahlreiche heute noch manuell ausgeführte Aufgaben und die Informationsbeschaffung werden dann weitgehend automatisiert sein. Dadurch bleibt uns mehr Zeit für freies, kreatives Denken. In Gruppen tauschen wir uns über neue Perspektiven, Herausforderungen und Lösungsansätze aus. Ideal wäre, wenn erkannt wird, dass nicht die Arbeitsdauer entscheidend ist, sondern die intrinsische Motivation die eigentliche Gestaltungskraft und den Ideenreichtum der Menschen entfesselt.

Damit solche engagierten Mitarbeitenden ihr Potenzial entfalten können, brauchen sie Kompetenz, soziale Eingebundenheit bzw. Sicherheit und Autonomie. Sorgen um Maslow’sche Grundbedürfnisse (Physiologische-, Sicherheits-, Soziale-, Individualbedürfnisse) sollten dann nicht mehr nötig sein. Wer einen Sinn und eine Herausforderung in seiner Tätigkeit sieht sowie das nötige Know-how besitzt, kann eigenständig Lösungen entwickeln. Diese selbstorganisierten Menschen benötigen keinen starren Rahmen, weder einen festen Arbeitsplatz noch bestimmte Arbeitszeiten, sondern eine Umgebung, in der sie bestmöglich denken und arbeiten können.

Daraus ergeben sich sowohl für Arbeitgeber als auch für Arbeitnehmer anspruchsvolle und neue Anforderungen.

Problematik

Langfristig wird die Zahl der neu entstehenden Jobs zwar die der wegfallenden übersteigen, allerdings bereitet unser aktuelles Bildungssystem kaum noch ausreichend Menschen auf die künftig geforderten Kompetenzen vor.

Die Anforderungen an Berufsbilder verändern sich derzeit grundlegend. Um komplexe KI-Ergebnisse effektiv zu nutzen, kritisch zu bewerten und gegebenenfalls anzupassen, sind spezielle Qualifikationen unerlässlich.

Die zentrale Fähigkeit der Zukunft ist ethische und moralische Verantwortungskompetenz. Der Weg dorthin ist jedoch anspruchsvoll und verlangt kontinuierliche Entwicklung. Essenziell ist es, Vertrauen durch nachweislich exzellentes Handeln und konsequente Umsetzung von Handlungskompetenz aufzubauen. Das bedeutet, stets hoch motiviert und engagiert herausragende Ergebnisse zu erzielen und dabei unternehmerisches Denken zu zeigen ( business sense ). Letztlich basiert echter Erfolg immer auf der Fähigkeit, gute Entscheidungen zu treffen – sie bilden das Fundament für nachhaltigen Fortschritt.

Wie trifft man gute Entscheidungen? Entscheidend ist, sich bewusst und ohne äußeren Druck ausreichend Zeit für eine zukunftsorientierte Reflexion zu nehmen. Denn nur wer sich nicht hetzen lässt, kann Sachverhalte wirklich durchdringen und innovative Lösungswege erkennen.

Qualitativ hochwertige Denkprozesse setzen ein tiefes Verständnis des aktuellen Problems voraus, das auf vielseitigen bisherigen Erfahrungen aufbaut. Die Qualität der Entscheidungen leidet, wenn emotionale Kontrolle fehlt und kognitive Verzerrungen Überhand nehmen. Deshalb gilt: Erst zu einem emotional ausgeglichenen Zustand finden, bevor wichtige Entscheidungen getroffen werden – nie unter Stress oder emotionaler Belastung handeln!

Skills

Für künftige Jobs mit KI-Werkzeugen ist die Fähigkeit zu hochwertigem, kritischem Denken unerlässlich. Dazu braucht es ein solides, breit gefächertes und langfristig verankertes Grundwissen sowie ein ausgeprägtes Allgemeinverständnis. Wichtig ist die interdisziplinäre Verknüpfung von Naturwissenschaften, Mathematik, Rechts-, Politik-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, Kunst und Geschichte. Ergänzt wird dies durch spezifisches Fachwissen (Domänenwissen) und fundierte Prozesskenntnisse in einem oder idealerweise mehreren Fachgebieten.

Das derzeitige Bildungssystem ist darauf jedoch in weiten Teilen nicht vorbereitet.

Es gibt bei KI Licht und Schatten, das gehört zum Schatten!

Schatten

Ein erheblicher Teil unserer Gesellschaft droht, den Anschluss zu verlieren, da viele Menschen den steigenden Anforderungen der zahlreichen offenen Stellen nicht mehr gerecht werden können. Für sie scheint es keine sinnstiftende Aufgabe mehr zu geben, was nachvollziehbar zu großer Unzufriedenheit führt. Einige greifen daher auf minderwertige KI-Lösungen zurück und bewegen sich zunehmend in Echokammern, während andere in die Passivität gedrängt und lediglich verwahrt werden. Diese Entfremdung kann dazu führen, dass sie sich von der Demokratie abwenden.

Wer glaubt, dass im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz Lernen an Bedeutung verliert, irrt gewaltig. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall: Gerade durch die Automatisierung vieler kleiner und oft mühsamer Aufgaben wie Dokumentation, Datenerfassung oder Benachrichtigungsabläufen können Workflows effizient beschleunigt und wertvolle Ressourcen eingespart werden. Das setzt jedoch ein hohes Maß an Lernbereitschaft und die Fähigkeit voraus, neue Kompetenzen zu entwickeln und mit modernen Technologien souverän umzugehen.

Warnung

KI-Suchanfragen können von anderen KI-Systemen analysiert werden, um bislang verborgene Wissensschätze zu identifizieren und diese wertschöpfend nutzbar zu machen. Es ist daher unerlässlich, dass jede Nutzerin und jeder Nutzer sich bewusst ist: In KI-Anfragen dürfen keinerlei persönliche Daten oder vertrauliche Unternehmensinformationen enthalten sein – es sei denn, die Anfrage erfolgt über eine eigens trainierte, isolierte KI oder sämtliche Prompts werden vorab durch eine Compliance-KI auf ihre Unbedenklichkeit geprüft.

KI macht dumm!?

Menschen verlassen sich immer häufiger auf Technologie und vernachlässigen dadurch ihre eigenen Fähigkeiten. Anstatt Probleme selbst zu lösen oder Informationen aktiv zu suchen und zu verstehen, überlassen sie kritiklos diese Aufgaben der künstlichen Intelligenz. Macht KI dumm?

Interessanterweise scheint es eine Divergenz zu geben. Bei häufiger Nutzung von KI verringern einfach gebildete Menschen ihre Fähigkeit zum kritischen Denken und Problemlösen, dagegen verbessert sich diese Fähigkeit bei gebildeten Menschen. (Studie)

KI Gesellschaft

Die Einkommensschere in unserer Gesellschaft wird heute schon von Unterschieden zwischen guter und schlechter Qualifizierung weiter auseinander gedrückt. Immer mehr Menschen werden an den Rand des Existenzminimums gedrückt. Wenn die Grundbedürfnisse nicht mehr befriedigt werden können, kommt es zu einer Protesthaltung, Kriminalität, Gewalt und Unruhen. Eine demokratische Gemeinschaft lässt sich ohne eine Gewaltspirale unter diesen Umständen nicht mehr aufrechterhalten. Unsere Gesellschaft ist in keiner Weise auf die Auswirkungen der vielen neuen künstlich intelligenten Assistenten und Automaten vorbereitet, schon gar nicht auf die kommenden AGI (artificial general intelligence oder künstliche allgemeine Intelligenz).

Qualifizierte Nutzung von KI erfordert eine völlig neue Art von Bildung.

Verstehen

Verstehen ist die Fähigkeit, Bedeutung zu erkennen, Zusammenhänge zu begreifen und Wissen anzuwenden. Es geht tiefer als das reine Aneignen von Wissen, da es das Erkennen von Mustern, Prinzipien und Beziehungen beinhaltet. Verstehen erfordert kritisches Denken und die Fähigkeit, Informationen zu analysieren und zu interpretieren.

Jeder junge Mensch sollte die kleinen und die großen Zusammenhänge kennen. Wie wirkt sich die Umwelt und die Ernährung mit ihren enthaltenen Giften auf die Leistungsfähigkeit der eigenen Zellen aus? Wie funktioniert unser Gehirn und welche Aktivitäten nutzen und schaden es. Wie entstehen die Produkte des Alltags, woher kommen sie, wie schaden sie unserer Umwelt und damit uns selbst? Wie genau funktioniert eigentlich ein Smartphone? Wie können laute Meschen die Parolen rufen entlarvt werden? Wie funktioniert Wetter und Klima? Woher kommt die Materie, aus der wir entstanden sind?

Lernen

Kinder entwickeln intuitiv ihr Realitätsmodell durch Erforschen und Fragen. Sie sind motiviert, wissbegierig und haben permanent Fragen. Wir Erwachsenen müssen lernen, sie darin zu bestärken und wenn möglich jede Frage zu beantworten, natürlich auch mit Hilfe einer KI. Wissen, dass durch motiviertes Selbsterforschen entstanden ist, hält ein Leben lang.

Bildung sollte Grundlagen und Zusammenhänge aus unserer Umgebung miteinander verknüpfen, so dass ein breites assoziatives Grundwissen entsteht. Je mehr wir die Zusammenhänge verstehen, umso gezielter und kritischer wird die Auseinandersetzung mit einer AI sein. Wir stellen dann dir richtigen Fragen und die AI leistet einen Wert für unser persönliches Leben.

Einige Studien deuten darauf hin, dass Menschen mit höherer kognitiver Fähigkeit, die oft mit Intelligenz assoziiert wird, dazu neigen, altruistisches Verhalten an den Tag zu legen, einschließlich Teilen und Helfen. Dies könnte daran liegen, dass intelligentere Menschen in der Lage sind, die langfristigen Vorteile von Kooperation und sozialem Zusammenhalt besser zu erkennen.

Ausblick

Eine Gesellschaft, die so aufgestellt wäre, könnte sich weiterentwickeln und ein friedliches demokratisches Miteinander praktizieren.

Eine grundlegende Änderung des Bildungssystems ist eine langfristige, nachhaltige Aufgabe. Politik ist auf kurzfristige Erfolge ausgelegt, deshalb hat keine Partei ein ernsthaftes Konzept in ihrem Wahlprogramm. Wie so oft muss die Bewegung von der Gesellschaft angestoßen werden.

New Work <-> New Brain

New Work New Brain

Warum hat es so lang gedauert, bis hierarchische Strukturen im Management in Frage gestellt wurden und sich die agile Arbeitsweise durchzusetzen begann? Die Begründung liegt verborgen in der Art, wie sich das Denken in den letzten Dekaden verändert hat. New Work New Brain.

Der Anteil der Hochschulabsolventen in Deutschland hat sich in den letzten 40 Jahren verdoppelt. In den meisten Berufen sind die Qualifikationsanforderungen gestiegen, neue anspruchsvolle Berufe sind entstanden. Auch der Alltag ist durchdrungen mit anspruchsvollen Technologien und komplexen Wirkungsketten. Schon wie zu Beginn der „industriellen Revolution“ in Deutschland vor gut 200 Jahren steigt der industrielle und gesellschaftliche Druck zu mehr Bildung, das bedeutet heute aber zu mehr hoch qualifizierten Abschlüssen wie z.B. akademische Grade.

New Work

Der Begriff „New Work“  steht für Selbstständigkeit, Entscheidungs- und Handlungsfreiheit bei der Verrichtung von Arbeit. Er wurde seit seinem Erscheinen in den frühen 80ern weiterentwickelt und unterstützt von diversen Forschungen über menschliches Verhalten. Daraus entwickelten sich wie unter anderem in der Selbstbestimmungstheorie gezeigt, die psychologischen Grundbedürfnisse der Motivation wie soziale Eingebundenheit (Zugehörigkeit, Sicherheit), Autonomie und Zweckbestimmung und aufgrund der heutigen Aufgabenkomplexität auch Kompetenz.

beachwork

Die Motivation ist der Schlüssel für hoch produktive, agile Teams. Nur lässt sich der Zustand des Hyperfokus, Schaffensrausch oder auch „Flow“ erreichen. Diesen positiv empfundenen mentalen Zustand der Konzentration lässt eine Person vollständig in einer Aufgabe aufgehen.

Damit Menschen im beruflichen Umfeld in einen Flow-ähnlichen Zustand kommen und zielgerichtete Ergebnisse liefern können, kommt Selbstverantwortung ins Spiel.

New Brain

Was bringt eine Gruppe von Menschen dazu, selbstorganisiert und intrinsisch motiviert ein Projekt für ein Unternehmen durchzuführen und schließlich zu einem positiven Ergebnis zu bringen? Jeder Einzelne benötigt ein hohes Maß an Sachverstand, Kommunikationsfähigkeit, Selbstkontrolle und muss in der Lage sein, Verantwortung für seine Handlungen zu übernehmen.

Was hat das nun mit Denken zu tun? Für Selbstkontrolle und emotionaler Kontrolle ist der bewusste Teil unseres Gehirnes zuständig. Der liegt im vorderen Teil unseres Neokortex, im Stirnlappen oder auch präfrontalen Kortex genannt. Hier werden uns unsere unbewusst entstehenden Gedanken bewusst und wir können sie bewerten, umdeuten oder verwerfen. Genau wie bei unserer Muskulatur gilt: je besser trainiert unser Gehirn ist (Anzahl der Neuronen, der Verbindungen zwischen den Neuronen und der Astrozyten) umso besser können wir uns kontrollieren.

New Work New Brain

Auch die Verantwortungsfähigkeit hängt von der Fitness unseres Gehirns ab. Beginnen wir mit der Qualität einer einzelnen Entscheidung. Sie ist abhängig von der zur Verfügung stehenden selbstbestimmten Zeit (je länger man über etwas nachdenken kann umso besser) und den bisherigen Erfahrungen inklusive unseres Wissens zu dem Entscheidungsthema (je mehr Erfahrung und Wissen umso besser).

Handlungsaktivitäten sind nur eine Reihe von Einzelentscheidungen, die in einem kausalen Zusammenhang stehen und zu einer Aktion führen. Deren Qualität ergibt sich vorwiegend aus der Summe der Qualitäten der dazu erforderlichen Entscheidungen.

Und schließlich entspricht die Summe der Qualitäten einzelner Handlungen der Verantwortungsqualität.

Selbstkontrolle und Verantwortungsfähigkeit hängen also direkt von der Fitness unsers Gehirns ab. Die Dosis und die Art von Bildung in Form von aktivem Wissenszuwachs kann man sich vorstellen als die Größe der Hantel, mit der man trainiert.

Konklusion: New Work New Brain

Mehr intensive Lernaktivitäten führen zu mehr kognitiver Fitness. Mit zunehmender Intelligenz von Mitarbeitern „New Brain“ steigt die Notwendigkeit, die freiheitlichen Arbeitsbedingungen von „New Work“ zu etablieren. Damit sind wir auf dem Weg, das Menschen wieder zufriedener mit und bei ihren Tätigkeiten werden und hin und wieder auch in den „Flow“ kommen. Das steigert die Kreativität und Produktivität.

Rückgang der Wissbegier?

Inhaltsbedingt philosophieren wir manchmal innerhalb meiner Vorlesung über ein vorher festgelegtes und vorbereitetes kontroverses Thema. Über eine längere Zeit den Argumenten der Teilnehmer zu folgen ist ein hoher Anspruch an die Konzentration, besonders weil die eigene Sichtweise jeweils an das hinzugewonnene Wissen angepasst werden muss.

Über die Jahre ist die Anzahl der Studenten, die sich aktiv beteiligen, ständig gesunken. Viele der Unbeteiligten sahen überhaupt keinen Sinn darin, ein Thema so intensiv zu durchleuchten. Dagegen wünschten sich die Aktiven viel mehr solcher Diskurse.

Woher kommt dieser große Unterschied, warum sind heute viele Erwachsene nicht mehr wissbegierig?

Aus zahlreichen Studien geht hervor, dass wissbegierige Menschen intelligenter, kreativer bei Problemlösungen, selbstständiger, stresstoleranter, offener für neue Ideen sind und bereit, Verantwortung zu übernehmen. Klingt das nicht genau nach den Eigenschaften eines Mitarbeiters, die wir für die digitale Transformation dringend benötigen? Was läuft falsch in unserer Gesellschaft, dass genau diese Attribute eher unterdrückt anstatt gefördert werden? Diese Frage haben sich auch Arbeitgeber gestellt. Aufgrund einer großen Studie mit interessanten Ergebnissen findet die Nachfrage nach Wissbegier jetzt zunehmend Einzug ins Recruiting. 

Library

Was ist Neugierde?

Neugierde ist ein evolutionärer Bestandteil des menschlichen Gehirns. Sie ist schon bei der Geburt vorhanden und ist die wichtigste Grundlage der Motivation (William McDougall). Mit zunehmenden Erfahrungen und Wissen sollte sich die emotional getragene Neugier in die etwas sachlichere Wissbegier wandeln und bis zum Lebensende erhalten bleiben. Eine Verminderung ist nicht unbedingt vorgesehen. Warum bleibt sie in unserer Gesellschaft trotzdem auf der Strecke?

Für die Intelligenz des Menschen ist die Anzahl an Neuronen und die Dichte der Verbindungen dazwischen entscheidend. Die uns innewohnende Neugier treibt dieses Wachstum voran und ist der Impuls für ständiges Lernen und Forschen.

Ein Kind ist von Geburt an ein „systematischer Philosoph“. Es versucht die Dinge um sich herum zu hinterfragen und zu verstehen und bildet so ein Modell der Realität in seinem Neokortex. Philosophieren ist in diesen Lebensjahren essentiell, sie dient der Verfeinerung des Realitätsmodells, dem Wissensaufbau und der Erhaltung der Neugier. Dadurch kann es zunehmend besser mit seiner Umgebung interagieren, lernt seine Emotionen zu kontrollieren und fundierte Entscheidungen zu treffen.

Wissensaufbau

Was reduziert Wissbegier?

Die Suche nach Gründen für das Nachlassen der Wissbegier beginnt bei der kindlichen Entwicklung. Man stolpert dabei immer wieder über die unterschiedlichen Argumente der folgenden, sicher nicht erschöpfende Liste:

  • Fehlende Wertschätzung durch die Bezugspersonen.
  • Unbegründetes emotionales Verhalten der Bezugspersonen.
  • Wenig frei verfügbare Zeit zum freien Spielen.
  • Monotones Umfeld, wenig Anreize zum Entdecken.
  • Interaktion mit der Umgebung ist nur sehr eingeschränkt.
  • Fehlende Ruhe, z.B. durch ständiges „Helikoptern“ von Bezugspersonen.
  • Keine Unterstützung durch die Bezugspersonen.
  • Zu frühe Sozialisierung mit fremden Kindern, besonders in inhomogenen Spielgruppen.
  • Neugier aberziehen, als unhöflich, unerwünscht brandmarken.
  • Religiöse Austreibungsriten.
  • Bezugspersonen versuchen Kinder zu erziehen, anstatt ihnen als Coach zur Seite zu stehen.
  • Lieblosigkeit, bzw. keine soziale Eingebundenheit. Dadurch fehlende sichere Beziehung, Bindung zu einer Bezugsperson, mündet in Aufkommen von Angst.
  • Fehlende Selbstbestimmung, Autonomie.
  • Stress, sollte eigentlich durch Bezugspersonen abgebaut werden wird aber oft eher aufgebaut.
  • Aufräumen ist Gift für die Fantasie, Spielsituationen sollten erhalten bleiben können.

hör nicht auf zu lernen

Wissbegier macht wettbewerbsfähig

Wie aus der Liste zu erkennen, kommt es vorwiegend auf das Verhalten der Eltern oder der Bezugspersonen an. Sie waren auch einmal Kinder, aber wenn sie bildungsfern aufgewachsen und geblieben sind, werden sie die Fehler ihrer Eltern weitestgehend wiederholen.

Das öffentliche Bildungssystem ist immer noch ausgelegt für den Aufbau von Ressourcen, die sich einfach in eine volkswirtschaftliche Maschinerie integrieren lassen.

Auch die Arbeitgeber waren lange Zeit nur an produktiven Arbeitseinheiten interessiert. Das klassische Arbeitgeber-Arbeitnehmersystem nach dem militärischen Paradigma „Befehl und Gehorchen“ bevorzugt Mitarbeiter mit wenig Widerspruch – Wissbegier galt als toxisch!

Mittlerweile hat es sich aber herumgesprochen, dass eine moderne Gesellschaft nur durch ein hohes Maß an Wissen und Kreativität wettbewerbsfähig, stabil und lebenswert gehalten werden kann.

Die politischen Systeme sind nicht für nachhaltige Konzepte und grundlegende Änderungen ausgelegt, deshalb werden die notwendigen Schritte wahrscheinlich wieder einmal von starken Interessensgruppen aus der Gesellschaft oder der Industrie vorangetrieben werden.

Verstehen für alle

Verstehen lernen für alle
Verstehen für alle

Stellen wir uns eine idealisierte Gesellschaft vor, in der nahezu alle erwachsenen Menschen ihre Lebenszeit autonom und eigenverantwortlich ausfüllen können. Sobald es das aktuelle Lebensgeschehen zulässt, beschäftigen sie sich mit motivierenden Aufgaben, die dem Wohle aller dienen.

Es gibt kaum Krankheiten, weil nur gesunde, nährstoffreiche Lebensmittel erzeugt und nachgefragt werden. Es gelangen keinerlei schadhafte Stoffe in die Umwelt, alle haben sauberes Wasser und atmen reine Luft. Menschen leben in komfortablen Domizilen aus biologischen Stoffen umgeben von Natur. Sie schaffen sich ein Heim in dem sie sich wohlfühlen.

Lärmbelästigungen z.B. durch Industrie und Transport sind auf ein Minimum reduziert, nächtliche Lichtquellen werden vermieden und Landwirtschaft wird in Symbiose zur Natur betrieben, deshalb haben sich die Bestände von Pflanzen, wilden Tieren und Insekten erholt.

Bürger gehen respektvoll, aufgeschlossen und vorurteilsfrei miteinander um, sie werden wertgeschätzt. Man sieht keine Probleme sondern nur Herausforderungen, die gemeinsam gelöst werden können.

Wie könnte sich eine Gesellschaft in diese Richtung entwickeln?

Voraussetzungen

Die Fertigkeiten und kognitiven Fähigkeiten von jedem Einzelnen sind das wichtigste Kapital jeder Gesellschaft. Das genannte Szenario ist abhängig von der Art, wie die Mitglieder einer Gesellschaft denken, wie sie komplizierte Zusammenhänge verstehen und bewerten können. Menschen, die verstehen, leben bewusster, gesünder, sind bereit mitzugestalten und lassen sich nicht leicht manipulieren.

Damit sich unsere kognitiven Fähigkeiten an den beschleunigten Wandel und die zunehmende Komplexität unseres Alltags anpassen können, wäre so etwas wie eine hoch individuelle, lebenslange Bildungsbegleitung notwendig.

Hier bietet sich eine moderne digitale Lösung an. Wenn so eine Anwendung sehr unterhaltsam gestaltet ist, macht es aufgrund ihrer spielerischen Form viel Spaß, sie regelmäßig zu benutzen. Das System darf nur belohnen, nicht bestrafen. Jeder kann unsere Welt in seinem eigenen Tempo erforschen und das zu Zeiten, die seinem persönlichen Lebensrhythmus entsprechen.

Die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse aus den Bereichen Lernpsychologie, Didaktik, Pädagogik, Soziologie, Neurologie und künstlicher Intelligenz werden schon längere Zeit in geldbringenden Systemen verarbeitet. Es wird immer wichtiger, sie konsequent und mutig in neue Bildungssysteme einfließen zu lassen. Weil wir alle davon profitieren sollten sie jedem zugänglich gemacht werden.

Beispiel: der Verstehens-Trainer

Aus digitalen Abenteuerspielen könnte eine mögliche Variante eines motivierenden technologischen Konzeptes abgeleitet werden.

WissenMan bewegt sich unter der Obhut eines persönlichen digitalen Begleiters mit Hilfe von Brillen der virtuellen oder erweiterten Realität (VR/AR) durch aufregende künstliche Welten. Durch Lösen von praktischen, alters- und leistungsgerechten Aufgaben innerhalb des Spieles dringt man in neue Bereiche vor und begeistert sich vielleicht auch für Neues. Wissen sammelt und vertieft man also ganz nebenbei.

Der digitale persönliche Coach gestaltet die zukünftigen Erlebniswelten und die Schwierigkeitsgrade angepasst an das Lernverhalten und die verstandenen Inhalte seines Schützlings.

Die angereicherten Kenntnisse könnten vielleicht als Qualifikation gesellschaftlich anerkannt werden.

Verstehen für alle

Es gibt mittlerweile eine Vielzahl von interessanten Lernspielen, die kostenpflichtig und deshalb auf Vermarktung ausgerichtet sind. Für die Vermittlung von speziellem Grundlagenwissen sind sie noch nicht geeignet.

Wenn das gesellschaftliche Ziel „gute Bildung für alle Bürger“ breite Zustimmung erfahren würde, könnten Ressourcen gebündelt werden.

Die Institution Schule würde mit zunehmender Unterstützung durch digitale individuelle Trainer eine völlig neue Bedeutung bekommen. Sie wäre ein Treffpunkt für Lernende aller Altersstufen. Es würden Einrichtungen wie Labore, Werk- oder Sportstätten zur Verfügung zu gestellt. Hier werden z.B. Arbeitsgemeinschaften, Sportveranstaltungen, philosophische Gesprächsrunden organisiert und durchgeführt. Es gäbe vielleicht zahlreiche ruhige Plätze, an die man sich mit seinem digitalen Coach zurückziehen kann.

Der Beruf des Lehrers würde deutlich abwechslungsreicher, aber auch anspruchsvoller. Er würde wieder einen hohen Stellenwert in der Gesellschaft bekommen.

Schon heute setzen sich unzählige wissenschaftliche Institute, Vereine und Stiftungen für Bildungsförderung und Chancengleichheit ein. Wenn es gelänge alle Beteiligten für gemeinsame, konkrete technologische Umsetzungen zu gewinnen und die Kräfte zu bündeln, dann ließe sich in kleinen, realistischen Schritten ein kostenloser digitaler Wissenstrainer für alle bereitstellen.

Für unsere gemeinsame Zukunft wäre mehr öffentliche Wahrnehmung für so ein Vorhaben wünschenswert.

Körperliche Leistungsfähigkeit

Fitness

Unser Denkapparat ist von der störungsfreien Funktion des restlichen Körpers extrem abhängig. Weil das Gehirn das gesamte Leben steuert ist körperliche Fitness eine unmittelbare Voraussetzung für eine gute Denkleistung. Zur Steigerung der geistigen Leistungsfähigkeit sind folgende Punkte zu berücksichtigen:

Idealerweise wohnt man in einer grünen Umgebung mit sauerstoffreicher, reiner Luft, einem geringen Lärmpegel und einigermaßen dunklen Nächten. Um negativen Stress zu vermeiden, sollte man einer Beschäftigung nachgehen die motivierend ist und bei der man in den „Flow“ kommen kann. Dabei sollte zu erkennen sein, dass man etwas Nützliches für die Menschen erzeugt auf das man stolz sein kann.

Wer sich in diesem gesunden Lebenskontext bewegt sollte über eine ausreichende körperliche Fitness verfügen und dadurch zu einer guten Denkleistung finden.

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